Sonntag, 9. Februar 2014

Good morning, Vietnam!




Wir wuenschen euch allen ein frohes neues Jahr. Das kommt ein bisschen spaet, werdet ihr jetzt sagen, aber tatsaechlich ist das Jahr 2014 hier erst wenige Tage alt. “Tet”, das grosse, auf dem chinesischen Kalender beruhende Neujahrsfest hat uns ebenso gestresst wie fasziniert. Gestresst, weil ganz Vietnam auf Achse ist, Geschaefte geschlossen haben, Busse ausgebucht oder komplett gecancelt sind und einfach alles nur so vor Menschen wimmelt, die die letzten Besorgungen taetigen. Dabei uebernehmen kleine Kumquat-Baeumchen die Funktion unseres Tannebaums, und egal welche Groesse das jeweilige Prachtexemplar auch hat: Festgeschnallt auf dem Moped wird es auf abenteuerliche Weise durch das Land transportiert. Aber “Tet” hat uns auch in seinen Bann gezogen, durften wir die Jahreswende doch auf einer Trekkingtour gemeinsam mit den Bergdorffamilien im Nordwesten Vietnams miterleben. Fazit: Nie wieder Reisschnaps :-)
Was haben wir ansonsten auf unserer knapp vierwoechigen Reise von Sued- nach Nordvietnam (Ho Chi Minh City – Dalat – Hoi An – Hue – Hanoi – Halong Bay und Sapa) erlebt?
Das Essen… Unser Favorit ist “Pho bo”, frische Rindernudelsuppe. Sie ist an kleinen Strassenstaenden immer fuer nicht viel mehr als einen Euro zu haben; die Kombination aus allerlei Gewuerzen, frischen Kraeutern, Salat, Nudeln und bestem Rindfleisch ist einfach unschlagbar. Weniger fuer den alltaeglichen Verzehr, aber dennoch eine interessante Erfahrung: Hund, Katze, Schlange, Frosch, Ratte, geroestete Insekten und Seidenraupen – alles auf den taeglichen Maerkten zu haben und von uns mindestens ein Mal verspeist. Extra fuer euch haben wir an einer “cooking class” teilgenommen. Hundefleisch sollte zwar eher schwer in Deutschland zu beschaffen sein, jedoch haben wir auch einige andere, leckere Gerichte auf Lager…
Ebenso vielseitig wie das Kulinarische, das Kulturelle. Der Mix aus katholischem, buddhistischem, taoistischem Glauben beeindruckte uns nicht nur wegen der farbenfrohen und an Fernost erinnernden Tempel sowie der allgegenwaertigen Buddhastatuen und Hausaltaeren. Eine interessante Mischung kommt erst zu Stande, weil die Vietnamesen zwischen den Religionen nicht strikt trennen, und viele Braeuche miteinander vermengt werden.
In und um Ho Chi Minh City sind uns besonders das Kriegsmuseum und das unterirdische Tunnelsystem (das die Viet Kong zum Schutz vor den amerikanischen Bombardements gruben) nahe gegangen. Welches Ausmass an Leid der Vietnam-Krieg ueber dieses Land gebracht hat, wurde uns erst an Ort und Stelle richtig bewusst. Es wundert daher nicht, dass das bis heute durch eine sozialistische Einheitspartei regierte Land die Verbrechen der Amerikaner doch etwas einseitig dokumentiert, und das Englische nicht zu den gefoerderten Sprachen gehoert. Zum ersten Mal auf unserer Reise kommen wir deswegen sprachlich das eine oder andere Mal an unsere Grenzen (zumal unser Vietnamesisch nicht das beste ist (zu unsere Verteidigung: Es aehnelt sehr dem Chinesichen, so dass gleich geschriebene Woerter nur aufgrund minimaler Betonungsunterschiede zig Bedeutungen haben)).
Alles zusammen genommen ist Vietnam vor allem im Vergleich mit den gar nicht weit entfernten Philippinen unheimlich vielseitig, bunt und geschaeftig. Diese Geschaeftigkeit der Menschen fuehrt dazu, dass man die Strasse meist vor lauter Mopeds nicht mehr sehen kann (in Hanoi z. B. gibt es davon etwa 1,5-mal so viele wie Einwohner). Es herrscht Anarchie, in deren “Nahrungskette” der gemeine Fussgaenger ganz unten steht, und so kam es uns auch am Sichersten vor, mit dem gemieteten Moped mitten drin zu stecken, anstatt eine Strasse zu Fuss zu ueberqueren ;-) Nach der Zivilisation Vietnams freuen wir uns nun aber auch auf ein wenig mehr Ruhe im duenn besiedelten Laos, in das wir nun uebersetzen.