Wir
wuenschen euch allen ein frohes neues Jahr. Das kommt ein bisschen spaet,
werdet ihr jetzt sagen, aber tatsaechlich ist das Jahr 2014 hier erst wenige
Tage alt. “Tet”, das grosse, auf dem chinesischen Kalender beruhende
Neujahrsfest hat uns ebenso gestresst wie fasziniert. Gestresst, weil ganz
Vietnam auf Achse ist, Geschaefte geschlossen haben, Busse ausgebucht oder
komplett gecancelt sind und einfach alles nur so vor Menschen wimmelt, die die
letzten Besorgungen taetigen. Dabei uebernehmen kleine Kumquat-Baeumchen die
Funktion unseres Tannebaums, und egal welche Groesse das jeweilige Prachtexemplar
auch hat: Festgeschnallt auf dem Moped wird es auf abenteuerliche Weise durch
das Land transportiert. Aber “Tet” hat uns auch in seinen Bann gezogen, durften
wir die Jahreswende doch auf einer Trekkingtour gemeinsam mit den
Bergdorffamilien im Nordwesten Vietnams miterleben. Fazit: Nie wieder
Reisschnaps :-)
Was
haben wir ansonsten auf unserer knapp vierwoechigen Reise von Sued- nach
Nordvietnam (Ho Chi Minh City – Dalat – Hoi An – Hue – Hanoi – Halong Bay und
Sapa) erlebt?
Das
Essen… Unser Favorit ist “Pho bo”, frische Rindernudelsuppe. Sie ist an kleinen
Strassenstaenden immer fuer nicht viel mehr als einen Euro zu haben; die
Kombination aus allerlei Gewuerzen, frischen Kraeutern, Salat, Nudeln und
bestem Rindfleisch ist einfach unschlagbar. Weniger fuer den alltaeglichen
Verzehr, aber dennoch eine interessante Erfahrung: Hund, Katze, Schlange,
Frosch, Ratte, geroestete Insekten und Seidenraupen – alles auf den taeglichen
Maerkten zu haben und von uns mindestens ein Mal verspeist. Extra fuer euch
haben wir an einer “cooking class” teilgenommen. Hundefleisch sollte zwar eher
schwer in Deutschland zu beschaffen sein, jedoch haben wir auch einige andere,
leckere Gerichte auf Lager…
Ebenso
vielseitig wie das Kulinarische, das Kulturelle. Der Mix aus katholischem,
buddhistischem, taoistischem Glauben beeindruckte uns nicht nur wegen der
farbenfrohen und an Fernost erinnernden Tempel sowie der allgegenwaertigen
Buddhastatuen und Hausaltaeren. Eine interessante Mischung kommt erst zu
Stande, weil die Vietnamesen zwischen den Religionen nicht strikt trennen, und
viele Braeuche miteinander vermengt werden.
In
und um Ho Chi Minh City sind uns besonders das Kriegsmuseum und das
unterirdische Tunnelsystem (das die Viet Kong zum Schutz vor den amerikanischen
Bombardements gruben) nahe gegangen. Welches Ausmass an Leid der Vietnam-Krieg
ueber dieses Land gebracht hat, wurde uns erst an Ort und Stelle richtig
bewusst. Es wundert daher nicht, dass das bis heute durch eine sozialistische
Einheitspartei regierte Land die Verbrechen der Amerikaner doch etwas einseitig
dokumentiert, und das Englische nicht zu den gefoerderten Sprachen gehoert. Zum
ersten Mal auf unserer Reise kommen wir deswegen sprachlich das eine oder
andere Mal an unsere Grenzen (zumal unser Vietnamesisch nicht das beste ist (zu
unsere Verteidigung: Es aehnelt sehr dem Chinesichen, so dass gleich
geschriebene Woerter nur aufgrund minimaler Betonungsunterschiede zig
Bedeutungen haben)).
Alles
zusammen genommen ist Vietnam vor allem im Vergleich mit den gar nicht weit
entfernten Philippinen unheimlich vielseitig, bunt und geschaeftig. Diese
Geschaeftigkeit der Menschen fuehrt dazu, dass man die Strasse meist vor lauter
Mopeds nicht mehr sehen kann (in Hanoi z. B. gibt es davon etwa 1,5-mal so viele wie Einwohner). Es
herrscht Anarchie, in deren “Nahrungskette” der gemeine Fussgaenger ganz unten
steht, und so kam es uns auch am Sichersten vor, mit dem gemieteten Moped
mitten drin zu stecken, anstatt eine Strasse zu Fuss zu ueberqueren ;-) Nach
der Zivilisation Vietnams freuen wir uns nun aber auch auf ein wenig mehr Ruhe
im duenn besiedelten Laos, in das wir nun uebersetzen.