Freitag, 2. Mai 2014

Myanmar - ein Land im Wandel


“Jetzt ist die Zeit, um nach Myanmar zu reisen!”
Diesen Satz hoerten wir in den vergangenen Monaten immer wieder von anderen Travelern, so dass wir unsere Plaene kurzfristig aenderten, auf Nord-Thailand verzichteten, uns mit 14 Tagen Malaysia begnuegten und unseren Flug nach Birma buchten. Um es vorweg zu nehmen: Neben unserem Roadtrip durch Namibia hatten wir hier die beste Zeit der gesamten Reise. Grossen Anteil daran hatte unsere Freundin Nathi, die mit uns fuer knappe zwei Wochen Dreibettzimmer, Erlebnisse, unertraegliche Hitze, Whiskey-Cola, Rum-Cola, Wein, Durchfall und jede Menge lustige Situationen geteilt hat. Danke Nathi, dass du da warst!
Nach mittlerweile sechs Monaten in Suedostasien blieben zwar die ganz grossen Ueberraschungen in puncto Landschaft und Essen aus; das Wesen und die Lebensrealitaet der Burmesen haben uns allerdings um so mehr in ihren Bann gezogen. Fuer uns steht schon jetzt nach diesem ersten Besuch fest, dass ein zweiter in einigen Jahren folgen wird! Und dann wird dieses Land vermutlich endgueltig in der Moderne angekommen sein. Erst seit drei Jahren duerfen westliche Touristen wieder nach Myanmar einreisen (wobei hiervon immer noch einige Regionen wegen andauernder Auseinandersetzungen zwischen Staat und Separatisten ausgenommen sind) - zuvor hatte das 40 Jahre andauernde Militaerregime dies untersagt. Vier Jahrzehnte, in denen das burmesische Volk quasi von der Aussenwelt abgeschottet war und durch die Diktatur in vielfacher Hinsicht in ihrem Demokratiestreben unterdrueckt und in allen Lebenbereichen drangsaliert wurde. Wenn man angesichts dessen dann als Tourist wirklich von jedem Einheimischen breit angelaechelt und willkommen geheissen wird, trotz der bitteren Vergangenheit, dessen Nachgeschmack in der Gegenwart immer noch zu spueren ist, ja, erst dann bekommt man eine eigentliche Vorstellung von dem unheimlich freundlichen Gemuet der Burmesen. Wir hatten dementsprechend besondere Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen, eine sei hier kurz geschildert:
Wir sahen wohl etwas verloren aus, als wir mit unseren gemieteten Fahrraedern an einer Strassenkreuzung in dem Bergstaedtchen Pyin Oo Lwin nach dem gesuchten buddhistischen Tempel Ausschau hielten. Ein Opi, Typ "zerstreuter Kuenstler", sprach uns kurzer Hand an und schleppte uns in die naechste Teestube mit. Von da an wich der Englischlehrer und Schriftsteller U Kyi Tha fuer die naechsten zwei Tage quasi nicht mehr von unserer Seite. Nicht nur, dass er uns von einer Sehenswuerdigkeit zur naechsten begleitete, er nahm uns auch mit zu sich nach Hause, zeigte uns seine private Bibliothek (Buecher bekommt man im burmesischen Alltag sonst so gut wie nicht zu Gesicht), seine literarischen Auszeichnungen, und erzaehlte uns eben auch von der spannenden, aber eben auch tragischen Geschichte Myanmars. Wir merkten foermlich, dass er und seine Landsleute sich erst jetzt trauen, derart brisante Details ueber das Regime weiterzugeben. Ein Mann sass vor uns, der fuer die demokratische Sache seines Volkes schon Jahre vor der politischen Wende durch seine Beitraege gekaempft hatte, aber immer auch die Bestrafung durch die Machthaber fuerchten musste. Sein groesster Traum in Uebrigen: einmal nach Europa zu reisen, um Louvre, Prado und Co zu besuchen… Wie er selbst mit Traenen in den Augen sagte: “In diesem Leben wohl nicht mehr.” Einen Tag spaeter trafen wir eine pensionierten General, der uns in gutem Deutsch von seinen ausgedehnten Reisen nach Europa und Deutschland in den 1980er-Jahren berichtete – zu dem Zeitpunkt, als es keinem normalen Burmesen erlaubt war, das Land zu verlassen. Grund fuer seinen Aufenthalt und seine Sprachkenntnisse: Waffengeschaefte mit good old Germany…
Kontraste dieser Art gehoeren in Myanmar leider zum Alltag, und lassen sich an vielen Beispielen verdeutlichen: Ich schreibe diese Zeilen in einem hypermodernen, klimatisierten Bus reisend, waehrenddessen draussen auf den Feldern die Bauern mit Wasserbueffel und Holzpflug die Aecker bestellen; Frauen und Maedchen tragen sich in einer Art Kriegsbemalung  eine Paste aus Baumrinde, Thanaka, auf, um sich vor der Sonne zu schuetzen; als eine Art Telefonzelle fungieren auf Tischchen aufgereihte richtige Telefone; Maenner und Frauen tragen den traditionellen Wickelrock, Longyi usw. Auf der anderen Seite steigt die Anzahl an Smartphones und Jeans und sonstigem technischen Schnick-Schnack. Uns kam es so vor, also hielten sich Tradition und Moderne gerade noch die Waage.
Besonders spannend erlebten wir in dieser Hinsicht das alljaehrliche Wasserfest, bei dem es im Prinzip darum geht, jedem so viel und so oft Wasser wie nur moeglich ueber den Kopf zu schuetten. Bei Temperaturen um 40 Grad prinzipiell eine gute Sache; weniger lustig ist das Ganze waehrend einer naechtlichen Zugfahrt, bei der an den Bahnhoefen jemand das Abteil betritt und froehlich einen Eimer Wasser ueber Reisende und gerne auch das Gepaeck ausleert. Trotz alledem haben wir diesen Spass mit Nathi in Yangon mitgemacht, und bei Rum fuer einen Euro die Flasche die Mischung aus Love Parade wuerdigen, mit Wasserwerfern bestueckten Techno-Buehnen und traditionellen Taenzen fasziniert verfolgt und aktiv mitgestaltet!
Und die Moral von der Geschicht: “Jetzt ist die Zeit, um nach Myanmar zu reisen!”. Plant euren naechsten Urlaub in jedem Fall hier ein, und lasst euch gerne von den nachstehenden Bildern inspirieren. Denn wer weiss, wie lange das Land angesichts zunehmender Touristenstroeme noch so urspruenglich-anders ist…
Dies war unser vorletzter Blogeintrag :-(, unsere letzten vier Wochen – man glaubt es kaum – brechen an. Mit Nepal machen wir das Dutzend Laender voll und trekken noch einmal ordentlich rund um den Anapurna, damit wir die angefressenden Pfunde waehrend der letzten sieben Monate auch rechtzeitig bis zu einem Wiedersehen mit euch runter kriegen :-) 








                             












































2 Kommentare:

  1. Hallihallo,
    da habt ihr ja wieder voll beeindruckende Bilder eingestellt. Mädchen, die einen "langen Hals machen", stelle ich mir schrecklich vor, dann doch lieber ein paar Pfunde mehr auf den Rippen und als "Bomberle" zurückkommen.
    Viele liebe Grüße aus der kalten Heimat (heute haben wir keine 10 Grad, keine Sonne und einen kalten Nordostwind), was uns aber nicht davon abhält heute Abend mit dem Fahrrad nach Riedlingen zu "Power Play" zu radeln.
    Huhu, ja und wer hat denn jetzt geschrieben? :)

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  2. Also ich glaube sie kommt aus Oberschwaben:)..
    bei den Wetteraussichten kommen wir nicht so schnell nach Hause:P

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