“Jetzt ist die Zeit, um nach Myanmar zu
reisen!”
Diesen
Satz hoerten wir in den vergangenen Monaten immer wieder von anderen Travelern,
so dass wir unsere Plaene kurzfristig aenderten, auf Nord-Thailand
verzichteten, uns mit 14 Tagen Malaysia begnuegten und unseren Flug nach Birma
buchten. Um es vorweg zu nehmen: Neben unserem Roadtrip durch Namibia hatten
wir hier die beste Zeit der gesamten Reise. Grossen Anteil daran hatte unsere
Freundin Nathi, die mit uns fuer knappe zwei Wochen Dreibettzimmer, Erlebnisse,
unertraegliche Hitze, Whiskey-Cola, Rum-Cola, Wein, Durchfall und jede Menge
lustige Situationen geteilt hat. Danke Nathi, dass du da warst!
Nach
mittlerweile sechs Monaten in Suedostasien blieben zwar die ganz grossen
Ueberraschungen in puncto Landschaft und Essen
aus; das Wesen und die Lebensrealitaet der Burmesen haben uns allerdings um so
mehr in ihren Bann gezogen. Fuer uns steht schon jetzt nach diesem ersten
Besuch fest, dass ein zweiter in einigen Jahren folgen wird! Und dann wird
dieses Land vermutlich endgueltig in der Moderne angekommen sein. Erst seit
drei Jahren duerfen westliche Touristen wieder nach Myanmar einreisen (wobei hiervon
immer noch einige Regionen wegen andauernder Auseinandersetzungen zwischen
Staat und Separatisten ausgenommen sind) - zuvor hatte das 40 Jahre andauernde
Militaerregime dies untersagt. Vier Jahrzehnte, in denen das burmesische Volk
quasi von der Aussenwelt abgeschottet war und durch die Diktatur in vielfacher
Hinsicht in ihrem Demokratiestreben unterdrueckt und in allen Lebenbereichen
drangsaliert wurde. Wenn man angesichts dessen dann als Tourist wirklich von
jedem Einheimischen breit angelaechelt und willkommen geheissen wird, trotz der
bitteren Vergangenheit, dessen Nachgeschmack in der Gegenwart immer noch zu spueren
ist, ja, erst dann bekommt man eine eigentliche Vorstellung von dem unheimlich
freundlichen Gemuet der Burmesen. Wir hatten dementsprechend besondere
Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen, eine sei hier kurz
geschildert:
Wir
sahen wohl etwas verloren aus, als wir mit unseren gemieteten Fahrraedern an
einer Strassenkreuzung in dem Bergstaedtchen Pyin Oo Lwin nach dem gesuchten
buddhistischen Tempel Ausschau hielten. Ein Opi, Typ "zerstreuter Kuenstler",
sprach uns kurzer Hand an und schleppte uns in die naechste Teestube mit. Von
da an wich der Englischlehrer und Schriftsteller U Kyi Tha fuer die naechsten
zwei Tage quasi nicht mehr von unserer Seite. Nicht nur, dass er uns von einer
Sehenswuerdigkeit zur naechsten begleitete, er nahm uns auch mit zu sich nach
Hause, zeigte uns seine private Bibliothek (Buecher bekommt man im burmesischen
Alltag sonst so gut wie nicht zu Gesicht), seine literarischen Auszeichnungen,
und erzaehlte uns eben auch von der spannenden, aber eben auch tragischen Geschichte
Myanmars. Wir merkten foermlich, dass er und seine Landsleute sich erst jetzt
trauen, derart brisante Details ueber das Regime weiterzugeben. Ein Mann sass vor
uns, der fuer die demokratische Sache seines Volkes schon Jahre vor der
politischen Wende durch seine Beitraege gekaempft hatte, aber immer auch die
Bestrafung durch die Machthaber fuerchten musste. Sein groesster Traum in
Uebrigen: einmal nach Europa zu reisen, um Louvre, Prado und Co zu besuchen…
Wie er selbst mit Traenen in den Augen sagte: “In diesem Leben wohl nicht
mehr.” Einen Tag spaeter trafen wir eine pensionierten General, der uns in
gutem Deutsch von seinen ausgedehnten Reisen nach Europa und Deutschland in den
1980er-Jahren berichtete – zu dem Zeitpunkt, als es keinem normalen Burmesen
erlaubt war, das Land zu verlassen. Grund fuer seinen
Aufenthalt und seine Sprachkenntnisse: Waffengeschaefte mit good old Germany…
Kontraste
dieser Art gehoeren in Myanmar leider zum Alltag, und lassen sich an vielen
Beispielen verdeutlichen: Ich schreibe diese Zeilen in einem hypermodernen,
klimatisierten Bus reisend, waehrenddessen draussen auf den Feldern die Bauern
mit Wasserbueffel und Holzpflug die Aecker bestellen; Frauen und Maedchen
tragen sich in einer Art Kriegsbemalung
eine Paste aus Baumrinde, Thanaka, auf, um sich vor der Sonne zu
schuetzen; als eine Art Telefonzelle fungieren auf Tischchen aufgereihte
richtige Telefone; Maenner und Frauen tragen den traditionellen Wickelrock,
Longyi usw. Auf der anderen Seite steigt die Anzahl an Smartphones und Jeans
und sonstigem technischen Schnick-Schnack. Uns kam es so vor, also hielten sich
Tradition und Moderne gerade noch die Waage.
Besonders
spannend erlebten wir in dieser Hinsicht das alljaehrliche Wasserfest, bei dem
es im Prinzip darum geht, jedem so viel und so oft Wasser wie nur moeglich
ueber den Kopf zu schuetten. Bei Temperaturen um 40 Grad prinzipiell eine gute
Sache; weniger lustig ist das Ganze waehrend einer naechtlichen Zugfahrt, bei
der an den Bahnhoefen jemand das Abteil betritt und froehlich einen Eimer
Wasser ueber Reisende und gerne auch das Gepaeck ausleert. Trotz alledem haben
wir diesen Spass mit Nathi in Yangon mitgemacht, und bei Rum fuer einen Euro
die Flasche die Mischung aus Love Parade wuerdigen, mit Wasserwerfern bestueckten
Techno-Buehnen und traditionellen Taenzen fasziniert verfolgt und aktiv
mitgestaltet!
Und
die Moral von der Geschicht: “Jetzt ist
die Zeit, um nach Myanmar
zu reisen!”. Plant euren naechsten Urlaub in jedem Fall hier ein, und lasst
euch gerne von den nachstehenden Bildern inspirieren. Denn wer weiss, wie lange
das Land angesichts zunehmender Touristenstroeme noch so urspruenglich-anders
ist…
Dies
war unser vorletzter Blogeintrag :-(, unsere letzten vier Wochen – man glaubt es kaum – brechen
an. Mit Nepal machen wir das Dutzend Laender voll und trekken noch einmal
ordentlich rund um den Anapurna, damit wir die angefressenden Pfunde waehrend
der letzten sieben Monate auch rechtzeitig bis zu einem Wiedersehen mit euch
runter kriegen :-)
Hallihallo,
AntwortenLöschenda habt ihr ja wieder voll beeindruckende Bilder eingestellt. Mädchen, die einen "langen Hals machen", stelle ich mir schrecklich vor, dann doch lieber ein paar Pfunde mehr auf den Rippen und als "Bomberle" zurückkommen.
Viele liebe Grüße aus der kalten Heimat (heute haben wir keine 10 Grad, keine Sonne und einen kalten Nordostwind), was uns aber nicht davon abhält heute Abend mit dem Fahrrad nach Riedlingen zu "Power Play" zu radeln.
Huhu, ja und wer hat denn jetzt geschrieben? :)
Also ich glaube sie kommt aus Oberschwaben:)..
AntwortenLöschenbei den Wetteraussichten kommen wir nicht so schnell nach Hause:P